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about me, a sad story

Flohmarkt

 

Vergangenen Sonntag schlenderte ich am Schwimmbad vorbei durch den Flohmarkt auf dem Parkplatz des Metro Großmarktes.

 

Welch ein Unterschied zu einem deutschen Supermarkt! Auf dem Flohmarkt gibt es keine fixen Bestände und Preise. Manches ist dreckig, manches aufpoliert, ein lebhaftes Durcheinander. Man sieht fröhliche und traurige Menschen, aufdringliche und lethargische.

Manche Stände sind ordentlich, andere chaotisch.

 

Das Durcheinander passt zu dem Durcheinander in meiner Seele. „Krattler und Dagginierer“ nannte mein Vater die Trödelhändler auf dem Flohmarkt immer.

Mein Vater war Oberamtsrat und er erwartete, dass ich die selbe Laufbahn einschlage. Ich könnte die Verantwortung für all die Akten nicht aushalten,  viel wohler fühle ich mich zwischen altem Gerümpel. Wenn ich die Beamtensprache höre, wird mir schlecht. „Raumordnungsverfahren, Planfeststellungsverfahren, Auflassungsvormerkungsbestätigung“ Wie kann man seinen Lebensinhalt im Umgang mit diesen Begriffen sehen? Ich verstehe es nicht. Viel lieber würde ich Wildschweine jagen, Fische fangen oder mit Trödelware handeln.

Ich bin lieber ein Krattler und es stimmt mich tröstlich, dass es auch noch andere Krattler gibt, die rostige Autos fahren und sich freuen, wenn sie am Tag 20 Euro verdienen. 

 

An einem Stand liegen nur noch ganz wenige Gegenstände, eine alte Bohrmaschine, ein Kochtopf und eine etwa 40 Jahre alte Puppe aus Hartplastik.

 

Ich habe noch nie eine Puppe in einem derartig desolaten Zustand gesehen. Die Augen wurden mit einem spitzen Gegenstand eingedrückt, die Beine gequetscht, die Arme hingen an einem Gummiband schlaff herunter, es wurden ihr einige Haare ausgerissen. Wer mochte eine Puppe derart misshandeln? Ein Sadist?? Einer der in Fußstapfen von Doktor Mengele und Armin Schreiner tritt???

 
 

Vielleicht ein Mädchen, das mit Puppen überhäuft wurde, aber lieber ein Junge geworden wäre und sich Fußballschuhe gewünscht hatte? Oder ein Kind, das die Misshandlungen seiner Eltern weitergegeben hat?  Oder ein böser Junge, das sich an seiner Schwester rächen wollte, weil sie das Mädchen bevorzugten, weil es sich liebevoller verhielt?  Wer weiß?

Wer eine Puppe derart misshandelt, der leidet selbst, da bin ich mir sicher!

 

Ich wünschte das Spielzeugkind könnte sprechen und mir ihre Lebensgeschichte erzählen. 

In  ein paar Jahren gibt es vielleicht Puppen, die jedes Wort, das man mit ihren spricht aufzeichnen.

 

Am liebsten hätte ich das arme Püppchen gekauft. Aber meine kleine Studentenbude quillt über mit unpraktischen Gegenständen.

 

Ich war den Tränen nahe. Die misshandelte Kind aus Vinyl machte mich trauriger als die vielen tausend Kinder, die an Aids oder Hunger leiden. Ich hätte der armen Puppe ein Kleidchen anziehen können, um das kaputte Bein zu verdecken und die Augen mit Spachtelmasse stopfen und bemalen können. Ein Puppe zu verkaufen, erschien mir zunächst wie ein Verrat. Ich würde das niemals tun.

Aber vielleicht denkt der Mensch, der diese Puppe verkauft, sie werde ein besseres Zuhause bekommen als bisher und verspürt Reue. Gefühle sind irrational. Bin ich eine infantile Person, ein großes Kind, ein Mädchen im Männerkörper??

Der Flohmarktbesuch stimmt mich richtig traurig, ich schrieb diese kleine Geschichte nieder und das gab mir ein wenig Trost.

 
 
 
 
 
 
28.12.09 14:26
 


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